Tempel-Hopping

Heute habe ich viel fuer eine gute Beinmuskulatur und vermutlich auch fuer ein gutes Karma getan. Ich glaube, es waren insgesamt ueber 20 Tempel und Schreine, die entlang einer Route im Nordosten Kyotos liegen. Sie alle zu beschreiben, waere wohl zu viel und einfach nicht moeglich. Wer es nachverfolgen moechte, bzw. dies waren die Highlights fuer mich: der Start war der Zen-Tempel Nanzen-ji (auf dem Bild), von dort konnten man in die bewaldeten Huegeln hinaufklettern, wo zwei weitere, kleine und sehr mystische Tempel an einem Wasserfall lagen.

Weiter ging es zum Tempel Eikan-do, der ein beliebter Ausflugsort ist, wenn sich die japanische Ahornbaeume im Herbst rot faerben. Das ist das zweite Ereignis im Jahr, neben der Kirschbluete, wo die Japaner drauf hin fiebern. Einige Baeume fingen schon an, rot zu werden, was wirklich huebsch ist. Und drumherum standen einige Japaner, die das ganze ausfuehrlich beobachtet und diskutiert haben.

Im schoenen Garten konnte man dann unter diesen Baeumen auf niedrigen Tischen sitzen und Tee und Suessigkeiten, wie Reiskuchen-Baellchen am Spiess mit suesser Soya-Sauce und gruenem Tee bestellen…

… und dabei diesen traumhaften Ausblick geniessen.

Von da ging es entlang des Phisosophenweges, ein alter Pfad entlang eines alten, kleinen Kanales, und an dem entlang noch ein paar Tempel und Schreine im Wald versteckt liegen. Die Gegend dort ist sehr ruhig und gruen, und es ist einfach wunderbar entspannend.
Nach wenigen Kilometern endet der Weg am Tempel Ginkaku-ji, der von einem sehr schoenen Garten umgeben ist.
Das gute an den groesseren Tempeln ist, dass man immer was zu Essen und Trinken kaufen kann, und es gibt Klos. Das schlechte ist, dass es auch viele Laeden mit sehr huebschen Dingen gibt.

 

Lost in Yodobashi Camera

Heute Morgen ging es weiter mit dem stroemenden Regen, so dass ich erst spaet los bin, in der Hoffnung es hoert auf. Hat es leider nicht. Der Schuldige ist ein Taifun, der vor der Suedkueste Japans lang zog.

Also Regenjacke an und los, und in den naechsten Laden, der Regenschirme hat. Japaner benutzen generell nur Regenschirme, ich habe bislang keinen mit Regenjacke gesehen. Was es schwer macht auf den engen Buergersteigen. Und ich glaube, dass die Regenschirm-Industrie einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren hier ist . Eigentlich wollte ich ins Kyoto National Museum, das nur 15 min zu Fuss entfernt ist. Die Idee hatten aber fast alle Einwohner und Touristen, so dass die Schlange ca. 300 m lang war. Also weiter durch den Regen, bis ich nicht mehr wusste, wo ich war.

Eigentlich verlaufe ich mich ja ganz gerne, aber nicht bei diesem Wetter, und so war ich wirklich froh, endlich einen Schrein zu finden, wo ich unter dem grossen Tor etwas abtropfen konnte. Ich habe mir dann auch gleich noch das ca. 15 qm grosse Museum des Schreins angesehen, nachdem ich die liebevoll handgestempelte Eintrittskarte bekommen habe, und auch die Broschuere und die ausfuehrliche Erklaerung auf Japanisch.

Ich wusste dank eines Touristen mit Internet dann wieder, wo ich bin, und bin dann noch zum nahegelegenen Tempel Sanjusangen-do. In dessen Halle stehen 1001 ca. anderthalb Meter grosse Buddha-Statuen, die sehr detailreich verziert und vergoldet sind, ein sehr beeindruckender Anblick. Wieder durfte man drinnen nicht fotografieren, aber draussen die Glocke ging.

Da ich inzwischen komplett durchnaesst war, bin ich zurueck zum Hostel. Auf dem Weg dorthin habe ich noch zwei super Laeden fuer Sushi und japanische Reiskuchen (Mochi), ausserdem gab es einen neuen Versuch mit Kaffee (ich habe dabei gelernt dass jamaikanischer Kaffee kalter Kaffee mit Soda ist…). Die Sushi waren superlecker, die Mochi… naja. Faellt eher unter Muss man mal gegessen haben.

Im Hostel habe ich dann gewartet, dass der Regen aufhoert, was er dann auch getan hat, und jetzt soll es wirklich schoen werden fuer einige Tage. Gerade bin ich wieder zum Bahnhof. Nach den Ramen gestern gab es heute Japanischer „Bowl“ in einem der zahlreichen Restaurants in einer der Shopping-Passagen. Das Aussuchen ist ganz leicht, denn in jedem Schaufenster gibt es die Gerichte aus Plastik zu sehen.

Man wird zum Tisch gebracht, bekommt noch eine Karte mit Bildern, zeigt auf das was man ausgesucht hat, und los gehts. Sehr lecker! Ich hatte uebrigens oben rechts.

Auf dem Rueckweg war ich noch bei Yodobashi Camera, ein riesiger Laden ueber mehrere Stockwerke fuer Elektronik, Kuechensachen, Spielzeug usw. Alleine da koennte man einen Tag verbringen, und es gab nettes Zubehoer fuer meine Kamera, vom Hello Kitty-Gurt habe ich aber abgesehen. Von der beheizten Klobrille (leider) auch.

Es regnet in Kyoto

… noch heute und morgen. Danach soll die Sonne scheinen und zwar fuer lange! Aber da ich eh es heute ruhiger angehen lassen wollte wegen Jetlag, bin ich vom Hostel zu den naechstlegenen Tempeln gelaufen. Auf dem Weg dahin lag der Garten Shosei-en. Wie ueblich wurde man herzlich begruesst, es gab eine grosse Broschuere ueber den kleinen Park und eine ausfuerliche Erklaerung, was man alles sehen konnte (auf japanisch). Der Garten ist wirklich schoen, da er nur ein paar Minuten zu Fuss entfernt liegt, werde ich sicher noch mal wiederkommen, wenn die Sonne scheint. In einem der Haeuser gab es eine Kunstausstellung, und ich habe mich lange mit einer Bildhauerin unterhalten, die im Sommer auf der Dokumenta in Kassel und der Skulpurenausstellung in Muenster war.

Danach bin ich weitergelaufen zum buddhistischen Tempel Higashi Hongan-ji, der an diesem Samstag voll mit Pilgern war. Es gab eine Art Gottesdienst, weswegen ich rausgeschmissen wurde, aber draussen auf den Stufen konnte man wunderbar (im Trockenen) durch die Papiertueren lauschen.

Uebrigens zieht man in allem Tempeln und Schreinen (und auch im Hostel) die Schuhe vor dem Betreten aus. Dafuer bekommt man dann eine Plastiktuete, in die man seine Schuhe reintun und mitnehmen kann. Auch der nasse Regenschirm bekommt einen Plastikueberzieher.

Weiter ging es dann zum naechsten Tempel Nishi Hongan-ji, der dem davor recht aehnlich war, nur ein wenig kleiner. Beide Tempel sind uebrigens ganz aus Holz gebaut, und der erste gehoert zu den weltweit groessten Holzgebaeuden. Innen darf man nicht fotografieren, aber die Stimmung mit dem dunklen Holz, dem vielen Gold, den Laternen und dem Geruch nach Weihrauch liesse sich eh nur schwer einfangen. Und beide Tempel werden auch sehr intensiv von Japanern jedes Alters benutzt, die hier zum Beten herkommen.

Ich habe dann noch eine Pause im Cafe gemacht, leider ohne englische Karte und mit kaum englisch sprechender Kellnerin. Heraus kam eine suesse Bohnensuppe mit Flummis und gesalzenen Algen (?), Toast mit Erdbeermarmelade, gruener Tee und Milchkaffee. Uebrigens gibt es den mit Abstand schlechtesten Kaffee in Japan (daher durfte er nicht mit drauf aufs Foto).

Da es immer noch ziemlich geregnet hat und mein Leihregenschirm vollends den Geist aufgab, bin ich nun wieder im Hostel und mache mich gleich aber wieder auf Richtung Bahnhof, mich ein bisschen da rumtreiben lassen, weil es dort viele Geschaefte und Restaurants gibt und der Bahnhof selber schon sehenswert ist.

Ach ja, ich bin gut angekommen! Schoen, wieder hier zu sein.